Nach langer Abstinenz nun wieder ein paar Zeilen von mir. Erstmal für die, die an Details nicht interessiert sind: Mir geht’s gut hier, fühle mich generell sehr wohl hier und mache tolle Erfahrungen und genieße die Zeit voller Schnee und neuer Leute.
Und hier die ausführlichere Version:
Ich versuche gerade, anhand meiner Digitalfotos einen chronologischen Ablauf der Ereignisse aufzubauen. Merke aber ziemlich zeitgleich, dass das nicht allzu viel Sinn macht, denn ich habe nicht immer meine Kamera dabei und mache Bilder. Ein anderer Grund ist auch, dass ich oft Dinge mache, die mittlerweile schon längst Alltag geworden sind und daher vielleicht nicht den Erzählensfaktor aufweisen als z.B. Reisen. Aber egal, ich versuch’s trotzdem.
Anfang und Mitte Dezember war – Gott sei Dank erst ab dann - Vorweihnachtszeit. Dies haben wir zum Anlass genommen, zuerst alle Jugendlichen aus Prali zu einem Abendessen einzuladen (jugendlich ist hier schon so bis Mitte dreißig aufzufassen) und dann knapp zwei Wochen später das komplette Dorf Prali. Das erste Essen konnten wir aufgrund der Anzahl (so 30-40 Leute) in unserem Residentenhaus machen, bei dem es nicht nur tonnenweise „Bagna cauda“ (so was wie warme Knoblauchsoße) und abgelaufene Chips gab, sondern auch jede Menge andere leckere Sachen, zumeist traditionelle „waldensische Täler“-Küche.

Es waren sozusagen alle jüngeren Leute anwesend, mit denen man irgendwie zu tun hat. Die Barkeeper, die DJs, die Skilehrer, die Restaurantbesitzer, der Apotheker, usw. Der Pfarrer wurde von Agape gestellt, unser Direktor macht nämlich einmal im Monat einen Gottesdienst in der Gemeinde.

Aufgrund des recht großen Feedbacks zu den ach so süßen Hunden zeige ich auch, was die Welpen währenddessen gemacht haben:

Das Weihnachtsessen für das ganze Dorf war dann schon etwas größer und bedurfte auch deutlich längerer Vorbereitung. Was 15 Leute an zwei Tagen gearbeitet haben galt nur für wenige Stunden (ist ja oft so im Leben). Jeder hat das gemacht, was ihm am besten liegt. Die, die kochen konnten, haben gekocht, die, die gut dekorieren konnten und sich mit buntem Kleinzeug auseinander zu setzen wussten, haben den großen Essenssaal geschmückt. Und ich? Ja, ich… erstmal bin ich in den Wald, habe Zweige abgesägt, für die Dekogruppe. Und dann habe ich mich größtenteils um die Außensachen des Zentrums gekümmert, unter anderem mit einem anderen knapp zwei Regentonnen Sand auf die Wege gestreut, denn es war sehr glatt und es wurden viele ältere Leute erwartet. Bei so einer Arbeit konnte man ohne Probleme im T-Shirt arbeiten, obwohl sich um einen herum der Schnee getürmt hat und es Mitte Dezember war. Während des Abends waren wir Residenten dann hauptsächlich damit beschäftigt, zu bedienen.
Auch dieses – für alle kostenloses - Essen war etwas tolles, wir waren über hundert Leute und saßen alle an einer langen Tafel, die den ganzen Salone ausfüllte. Das war das erste Mal, dass richtig Weihnachtsstimmung aufkam.
Der Tisch vor dem Ansturm …

… und währenddessen.

Und auch die Küche hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Das sieht man nicht nur an dem langen Menüplan, sondern auch an der weihnachtlich dekorierten Küche.

Doch es gab auch noch anderes in den letzten Wochen.
Nachdem ich einen sehr schönen 10-tägigen Weihnachtsurlaub daheim verbringen durfte, ging es direkt wieder in das Arbeitsleben eines armen Zivi-Barkeepers herein, indem ein ebenfalls 10-tägiges Weihnachtscamp anstand.

Hier wurde nicht nur getanzt, es waren auch ein paar super Trommler dabei, die das ganze schön mitgestalteten.

Darüber hinaus wurde natürlich etwas Inhaltliches gemacht. Dieses Jahr stand die „Erschaffung einer mediterranen Liebe“ auf dem Programmpunkt. Da ich allerdings die meiste Zeit an der Bar stand, habe ich noch immer nicht begriffen, worüber die Leute da genau geredet haben.
Zusätzlich zum normalen Job haben wir uns noch um unseren Stand auf dem Weihnachtsmarkt von Prali gekümmert. Und es war wirklich eine Schweinekälte! Dazu noch die ganzen Touristen, die aus dem beschaulichen Ort regelrecht einen Rummelplatz gemacht haben, ohne jedoch irgendetwas von Agape zu kaufen und wenn man im Auto unterwegs war und ziemlich SCHNELL etwas WICHTIGES erledigen musste, immer genau mitten auf der Straße – direkt vor dem Auto - laufen und ihre Kinder/Hunde/andere Familienangehörige nicht unter Kontrolle haben. Furchtbar, reg ich mich wieder auf! Manchmal vergisst man, dass man doch selbst so oft ein Tourist ist, der sich genauso verhält. Es gab allerdings trotzdem ignorante Touris, hin oder her.

Das Bild hat übrigens Symbolcharakter. So viele Leute findet man eigentlich das ganze Jahr über zusammengenommen nicht auf diesem Platz.
Dann war auch schon Silvester. Es kamen viele Freunde von Agape und auch Freunde von Freunden von Agape, und so wurde die Jahreswende feuchtfröhlich mit recht viel Champagner begrüßt. Dabei ist der Champagner bei mir persönlich eigentlich kaum im Mund gelandet, sondern dagegen so ziemlich auf der gesamten Körperoberfläche. Es war ein bisschen wie bei Formel 1, nur dass dann gleich zwanzig Korken knallen und umso mehr Leute bebbig werden. Schön wars aber trotzdem.
Hier noch ein Bild, einige Tage nach Silvester, zusammen mit Nicaise. Dummerweise wurden wir ziemlich genau im selben Moment von einem nicht allzu kleinen Schneeball getroffen.

Nach diesem ermüdenden Camp gönnten wir Residenten uns erst einmal einen gemeinsamen freien Tag zum Skifahren im nahe gelegenen Skigebiet „die 13 Seen“.
Dort oben hat man nicht nur eine wunderschöne Aussicht,

sondern man trifft auch auf so manche dunkle Gestalt …

… und hat schöne Stunden an der Berghütte.

Solch einen Skitag habe ich in unterschiedlicher Personenkonstellation und Wetterlage ein paar Mal wiederholt und es wird sicherlich noch der ein oder andere Ski-Ausflug kommen.
Bei dieser Aufnahme war Mirjam aus Torre mit dabei:

In den letzten Wochen habe ich dann ein paar Mal Besuch erhalten, sowohl von den Torre-Deutschen aus dem anderen Tal als auch direkt aus der Heimat. Es waren allesamt sehr schöne Tage, die viel Spaß und Abwechslung brachten. Vielen Dank noch mal allen Beteiligten!
Ich könnte noch Stunden weiter schreiben, aber das nächste Mal lässt bestimmt nicht so lange auf sich warten, wie dieser Eintrag. Darum mache ich hier mal einen Punkt: .
Ich wünsche euch weiterhin alles Gute fürs neue Jahr und viel Spaß im Leben!

v.l.n.r.: Davide, Jacob, Micol, Valentina, Sofia, Marcolino, Corinne, Stefan, Jaouad, Ninon, Francesco (meine italienische Familie)
Im Namen der Residentengruppe
Euer Stefan
PS: Dass die Interaktivität an diesem Blog nicht verloren geht, gibt’s noch eine kleine Aufgabe: Wer von euch das Abifilm-Zitat in diesem Blog-Eintrag entdeckt und auch sagt, von wem es stammt sowie in welcher Szene der Satz fiel, kriegt ein Bier, wenn ich wieder nach Deutschland komme!